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Einsichten in das Programm

Aus 16 verschiedenen Ländern stammen die insgesamt 37 Komponistinnen und Komponisten, deren Werke im kommenden ECLAT Festival aufgeführt werden. Um dieser Vielzahl singulärer künstlerischer Stimmen Raum und Aufmerksamkeit zu geben, findet ECLAT 2018 erstmals an fünf Tagen statt.
Begegnungen großartiger Interpreten prägen das Programm: Quatuor Diotima trifft auf das Klavierduo Sugawara/Hemmi, Calefax Reed Quintet auf die Neuen Vocalsolisten, das SWR Vokalensemble auf das Trio Catch. Aus pointierten Gegensätzen entsteht eine spannungsreiche Festival-Dramaturgie. Poetische, dramatische und auch utopische Reisen werden unternommen, und in mehreren Musiktheater- und Performance-Projekten werden die Konsequenzen menschlichen Handelns künstlerisch untersucht.

Aus pointierten Gegensätzen entsteht eine spannungsreiche Festival-Dramaturgie. So werden poetische, dramatische und auch utopische Reisen unternommen und die Konsequenzen menschlichen Handelns künstlerisch untersucht: Im Satellit zum Festival treffen Videos, Klanginstallationen, Objekte und Performance zusammen. KomponistenInnen von stock11 befragen und kritisieren in ihren Beiträgen den Musik-Begriff in all seinen gegenwärtigen Facetten.
Eröffnet wird ECLAT mit dem Preisträgerkonzert zum 62. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart. Neben den Preisträgerstücken von Juliana Hodkinson und Malte Giesen stehen Werke von Lisa Streich, Kirsten Reese und François Sarhan auf dem Programm.
Johannes Kreidler (Konzert 2) führt in seiner Performance Infinissage am Schreibtisch, am Klavier, an der E-Gitarre, an Fahrradklingeln agierend, durch unendlich fortsetzbare Listen, Sammlungen, Kompilationen. Tristan Murail entwickelt nach dem Vorbild des historischen Seeatlas Portulan in seiner gleichnamigen Komposition im Verlauf von neun Stationen neue Perspektiven auf Dinge, Orte und Gedanken, die für sein Leben bedeutsam waren (Konzert 3).
Laurent Durupt sucht in ANTROPOSCENE. How to Talk to Clouds (Konzert 4) nach künstlerisch-ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten im überwiegend wissenschaftlich geprägten Zeitalter des Anthropozäns.
Um klangliche Konfrontation und um Verschmelzung unterschiedlicher Klangapparate geht es in einem ausgesuchten Programm, das von dem Klavierduo Yukiko Sugawara und Tomoko Hemmi zusammen mit dem Quatuor Diotima (Konzert 5) aufgeführt wird. Auf der Basis von kleinen alltäglichen Beobachtungen nehmen der Komponist Clemens Gadenstätter und die Autorin Lisa Spalt in dem Musiktheater Daily Transformations (Konzert 6) die engen wechselseitigen Beeinflussungen zwischen Sprechen, Sehen und Hören unter die Lupe.
Der Samstag beginnt mit Distanz – eine diffizile musikalische Installation (Konzert 7) - von Marianthi Papalexandri-Alexandri. Mit einem Lichtkonzept visualisiert sie die Klänge des Celloparts von Séverine Ballon und ihrer motorbetriebenen Klangobjekte. Gleich nach diesem Mikro-Hör-Theater wagen das Trio Catch und das SWR Vokalensemble Zukunftsblicke, unter anderem mit einem ganz besonderen Werk – voiced void – von Claus-Steffen Mahnkopf. In ausgesuchten Texten wird hier das Messianische in der jüdischen Theologie erörtert, und damit die Frage nach dem Wie für eine bessere Welt (Konzert 8).
Unter der Überschrift Morphing Relations kommen Werke für Stimmen und Rohrblattinstrumente zur Uraufführung, die sich im weitesten Sinn der Frage widmen, was passiert, wenn vollkommen verschiedene Dinge absolut zeitgleich ablaufen. Es geht um unerwartete, unplanbare Koinzidenzen und um Durchhörbarkeit von scheinbar Unvereinbarem (Konzert 9).
Von Raphael Sbrzesny wird das Publikum in der Sporthalle des Theaterhauses durch einen Parcours aus Skulpturen, Video- und Klanginstallationen geschickt, in dem der Terror und männliches Heldentum unter verschiedenen Aspekten thematisiert wird. Der Videoarbeit Sbrzesnys, Principal Boy, diente das Fußballspiel Frankreich : Deutschland vom 13. November 2015 im Pariser Stade de France als Hintergrund, als Paris von mehreren islamistischen Terroranschlägen erschüttert wurde (Konzert 10).
Auf eine vollkommen andere Art und Weise existenziell geht es in der anschließenden Performance Sous Vide mit Musik von Dmitri Kourliandski und der Performerin Aliénor Dauchez zu. Sie agiert in der Enge eines Kühlschranks existenzielle Fragen aus (Konzert 11).
Im Mittelpunkt des ersten Sonntagskonzerts (Konzert 12) steht die frivol-groteske Operette Schummellümmelleichen und schrille Tentakel von Gordon Kampe, geschrieben für den Countertenor Daniel Gloger und ascolta, nach Texten von Schorsch Kamerun u.a. Was der Operette verloren ging – subversive Bösartigkeit mittels scharfer Übertreibung – will Kampe endlich zurückerobern.
Am Spätnachmittag (Konzert 13) treffen drei grundsätzlich verschiedene Komponisten aufeinander. Zwei davon haben explizit für die Neuen Vocalsolisten geschrieben, Georges Aperghis, der dem Ensemble seit langem verbunden ist und Martón Illés, der zum ersten Mal für die Vocalsolisten schreibt.
Den Festivalabschluss macht wie immer das SWR Symphonieorchester mit Solisten, diesmal in selten zu hörenden Kombinationen. Juliana Hodkinson kombiniert eine Solo-Elektrogitarre mit dem Orchester. Mike Svoboda stellt ein Altsaxophon aufs solistische Pult und Iris ter Schiphorst gibt einer Kontrabassklarinette die Solorolle. Zwischen all diesen Exotismen ist Lágrimas zu hören, das leise letzte Werk des 2016 verstorbenen Mariano Etkin.

Das Programm