PfeilGrafik MdJGrafik NVSGrafik

Einsichten in das Programm

„… nichts als eine dich mitreißende Geschichte, in die du dich aus purer Neugier begeben und aus der du plötzlich wie aus einem Leben, zu dessen Tod du geboren, nicht mehr entkommen konntest…“ DAILY TRANSFORMATIONS beschreibt in Text (Lisa Spalt), Musik (Clemens Gadenstätter) und Film (Anna Henckel Donnersmarck), wie unsere ganz alltägliche Wirklichkeit sich bei näherer Betrachtung ständig verändert und unsere Wahrnehmung infrage stellt: eine permanente Neu-Interpretation von Welt.
Es sind existentialistische Themen, die in den szenischen Projekten des kommenden ECLAT Festivals aufgeworfen und höchst fantasievoll und bilderreich verhandelt werden. So setzt sich die Performance-Künstlerin Aliénor Dauchez in SOUS VIDE den bedrängenden und von ihr selbst ins Extreme getriebenen Bedingungen eines Kühlschrankinneren aus. Raphael Sbrzesny untersucht in PRINCIPAL BOY das Phänomen männlichen Heldentums und fragt in einem von ihm selbst bespielten Parcours aus Video- und Klangskulpturen, was der „junge männliche Subjekttypus“ eines Terroristen mit unserer Welt und mit ihm selbst tun hat.

Tristan Murail nimmt uns in PORTULAN mit in seine berührende „Autobiographie mit Metaphern“. Und im Musiktheater ANTHROPOSCENE erklären Laurent Durupt (Musik), Fabian Offert (Bühne) und Jan Rohwedder (Choreographie) das Theater zum Labor. Mit künstlerischen Strategien erforschen sie die Möglichkeiten einer aktiven Gestaltung unseres Planeten im Zeitalter des Anthropozäns.

Auf ironische Distanz hingegen geht Johannes Kreidler in seiner „Late-Night-Revue“ INFINISSAGE. Er selbst ist der Conférencier – an Schreibtisch, Klavier, E-Gitarre, mit Fahrradklingeln und Computerspielen. Von Ironie gespickt ist auch Gordon Kampes Operette SCHUMMELLÜMMELLEICHEN UND SCHRILLE TENTAKEL (Texte: Schorsch Kamerun). „Frivol, grotesk und dabei die Gegenwart derb, übertrieben und bösartig reflektierend“ – dahin möchte er dieses Genre, aus Kitsch und Kommerz befreit, wieder zurückbringen.

Inmitten vielgestaltiger performativer Formate werden auch Instrumente zu Akteuren – wie das mit kleinen Motoren korrespondierende Cello der Ausnahmecellistin Séverine Ballon in Marianthi Papalexandri-Alexandris Installation DISTANZ: ein sensibles Mikro-Hör-Theater voller Schönheit und Konzentration.

Aus 16 verschiedenen Ländern stammen die insgesamt 37 Komponist*innen, 24 Ur- und 8 deutsche Erstaufführungen werden gegeben. Um dieser Vielzahl singulärer künstlerischer Stimmen Raum und Aufmerksamkeit zu widmen, findet ECLAT 2018 erstmals an fünf Tagen statt.

Großartige Interpreten treffen dabei aufeinander: Quatuor Diotima auf das Klavierduo Sugawara/Hemmi, Calefax Reed Quintet auf die Neuen Vocalsolisten, das SWR Vokalensemble auf das Trio Catch. Weltklasse zeigen auch stock11, ensemble mosaik, L’Itinéraire, ascolta und das SWR Symphonieorchester. Aus pointierten Gegensätzen entsteht eine spannungsreiche Festival-Dramaturgie – poetische, dramatische und auch utopische Reisen in die mirakulöse Welt der aktuellen Musik.

Das Programm