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"Eclat in Stuttgart gehört zu den etablierten Festivals der neuen Musik. (…) Die Säle des Theaterhauses Stuttgart an den Festivalkonzerten sind voll, und zwar mit einem sehr durchmischten, keineswegs nur aus Spezialisten bestehenden Publikum quer durch alle Generationen, das großes Interesse zeigt und nach den Konzerten angeregt diskutiert."
(Neue Zürcher Zeitung, 12.2.2013)

ECLAT wurde 1980 unter dem Namen "Tage für Neue Musik Stuttgart" gegründet. Der künstlerische Leiter Hans-Peter Jahn programmierte die Festivals zunächst als Komponistenporträts. Vorgestellt wurden in den ersten Jahren Anton Webern, Iannis Xenakis und Helmut Lachenmann. Es folgten Porträts von Bernd Alois Zimmermann, Heinz Holliger, Ernst Krenek, Luigi Nono und Wolfgang Rihm, allerdings im jährlichen Wechsel mit Programmen, die den Bezug von Neuer Musik zu anderen Künsten thematisieren. Untersucht wurde beispielsweise die Verbindung von Musik und Film oder der Konnex von Musik mit Zeit, Raum und Bewegung, von Literatur und Musik oder von Theater und Musik.

1997 gab Hans-Peter Jahn die Konzeption von übergeordneten thematischen Bezügen auf und verfolgte stattdessen die Idee, möglichst einen Querschnitt des gegenwärtigen künstlerischen Schaffens zu präsentieren. Damit verknüpft war die Suche nach neuen Konzertformen unter interdisziplinärem Aspekt. Uraufführungen nahmen im Festivalgeschehen von nun an eine zentrale Position ein und das Festival bekam einen neuen Namen: ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart. "ECLAT" meint indes nicht die vordergründig damit assoziierte schnöde Provokation. Hans-Peter Jahn beabsichtigte vielmehr, die poetischen Facetten des Begriffs in seiner Programmierung zu spiegeln: "Um die tendenziöse Ausdünstung des Wortes "Eklat" - die besonders im Deutschen auf Aufruhr, Sensation oder Skandal setzt - geht es nicht. Auch nicht um Umstürzlerisches. Denn das französische Wort "Eclat" hat eine Reihe von Bedeutungen, die freisetzen, worum es im Festival Neue Musik Stuttgart geht: um "Aufschein", "Glanz", "Splitter", "Gesplittertes", um "Knall", um "Schmelz", auch um "Fragmentarisches". Das Begriffspaar "Neue Musik" wird in seiner auf Schönberg fokussierten Prägung bewusst in den Hintergrund gerückt, nicht zuletzt, um die vielfältige Szenerie, wie sie sich seit 1950 entwickelt hat, irgend abzubilden."

ECLAT macht es sich aber auch zur Aufgabe, konzeptionelle Anstöße zu geben. Deshalb werden auch durchaus gewagte Konzeptionen seitens der Künstler ins Programm aufgenommen. Was Hans-Peter Jahn jedoch strikt vermied, vermeiden wollte: "richtungsweisende Wegpfeiler in einen instabilen Untergrund der künstlerischen Strömungen zu bolzen." ECLAT soll vielmehr innovative Strömungen der musikalischen Gegenwart Raum geben und die junge Komponistengeneration in Verbindung setzen mit den großen Komponisten der Moderne, ohne dabei jedoch einem charakterlosen "anything goes" den Boden zu bereiten.

2013, nach 30 Jahren als künstlerischer Leiter von ECLAT, nahm Hans-Peter Jahn seinen Abschied mit einer Festivalausgabe, die seine Haltung der größtmöglichen künstlerischen Offenheit in besonderer Weise wiederspiegelte. Kaleidoskopartig schien in ECLAT 2013 das weit gefächerte Interessensprofil Jahns auf, seine intensive Arbeit an dem vielgestaltigen Phänomen Musiktheater, seine intensive langjährige Verbundenheit mit führenden Komponisten der Gegenwart, seine Offenheit für junge Komponisten und neue musiktechnologische Strömungen.

2014 und 2015 hatte Christine Fischer (Intendantin Musik der Jahrhunderte) zusammen mit Björn Gottstein (Redakteur für Neue Musik beim SWR Stuttgart) die künstlerische Leitung von ECLAT. Ab 2016 verantwortet sie das Festival zusammen mit Lydia Jeschke (Redaktionsleitung Neue Musik beim SWR), die die Künstlerische Leiterin der beiden Konzerte SWR ATTACCA in ECLAT ist.