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ECLAT Konzert 7

/ Stuttgart / Theaterhaus T1

Mediterranean Voices

Eine Video-Konzert-Architektur über zwölf Identitäten aus dem Mittelmeerraum

 

Das Mittelmeer

Ein transkultureller Raum zwischen drei Kontinenten, aufgeladen von Geschichte und Mythen, die Wiege der Demokratie, der Geburtsort dreier Weltreligionen. Der Raum, in dem wichtigste Errungenschaften der Zivilisation, die Entwicklung der Schrift, der Künste und der Philosophie ihren Ausgang genommen haben.

Ein Raum voller Diversität und Widersprüchlichkeit, der seit jeher von Machtansprüchen und Bruderkriegen erschüttert wird. Ein Raum, in dem Europa Grenzen zieht.

Ein Raum im Aufbruch, der um Formen moderner Gesellschaft ringt. Ein Sehnsuchtsort.

 

Die Protagonisten

Das Projekt Mediterranean Voices ist eine Interpretation des Mittelmeerraumes aus der Sicht von zwölf Künstlern, die alle in einem Mittelmeerland beheimatet oder verwurzelt sind.

Neue Musik, westliche, von einem europäischen Kunstbegriff geprägte Musik, spielt im Kulturleben der meisten Mittelmeerländer keine oder nur eine sehr geringe Rolle (das gilt, insbesondere seit der Finanzkrise und dem Zusammenbruch von Kunstförderung, auch für die meisten Länder Südeuropas.)

Wer sich dort für den Beruf des Komponisten entscheidet, verlässt seine Heimat, studiert in Europa oder Nordamerika, und viele behalten dort auch später ihren beruflichen Mittelpunkt. Sie gehören zur intellektuellen Schicht ihres Landes, egal, ob sie im Ausland leben oder zurückgekehrt sind in ihre Heimat. Ihre Situation als Künstler zwischen beruflicher Singularität, kritischer Distanz zu ihrem Land und tiefer Verwurzelung in ihrer Kultur verleiht ihnen auch eine besondere Position, die Möglichkeit für eine klare, schonungslose, hellsichtige und empathische Sicht auf ihr Land.

 

Wir haben zwölf Komponisten aus zwölf Ländern zwischen Spanien und Ägypten und zwischen Syrien und Marokko eingeladen, gemeinsam mit den Neuen Vocalsolisten, dem Videokünstler Daniel Kötter und der griechischen Architektin Sofia Dona ein Projekt über den Mittelmeerraum zu gestalten, einen künstlerischen Raum, der uns eine Ahnung vermittelt über die Themen und über die Dynamik dieser Region.

 

Die Vermittler

Mediterranean Voices ist auch ein Projekt über die Stimme, die in der Musik des Mittelmeerraumes eine besondere Rolle spielt, sei es in der Verbindung mit Text und Poesie, mit liturgischer und Koran-Rezitation oder mit archaischen Gesangstraditionen unterschiedlicher Kulturen. Aber die Stimme bietet auch einen großen Reichtum an künstlerischen Ausdrucksmitteln, und viele Komponisten gerade aus dem Mittelmeerraum haben eine besondere Affinität zu diesem „Instrument“ entwickelt.

Sei über einem Jahr stehen die Sängerinnen und Sänger in einem intensiven Dialog mit den zwölf Protagonisten des Projektes. Drei Symposien dienten zum Kennenlernen und künstlerischen Austausch, aber auch der Verortung des Projektes im Kontext gesellschaftlicher und künstlerischer Themen. Und es wurden zwölf Reisen unternommen: Jeweils einer der Sänger hat einen der Komponisten in dessen Heimatland besucht.

 

Der Rechercheur

Der Videokünstler Daniel Kötter hat die Mediterranean Voices über ein Jahr lang bei ihren Diskussionen und Reisen mit seiner Kamera begleitet und zusammen mit dem Soundexperten Marcin Lenarczyk ausgedehnte Reisen im Mittelmeerraum unternommen. Neben den zwölf Portraits über die künstlerische und kulturelle Verortung der Komponisten in ihrer Heimat entstand eine künstlerisch und dokumentarisch einzigartige Videoinstallation aus 144 kurzen Clips. Eine packende Interpretation des Mittelmeerraumes aus der Sicht eines investigativen Kamera-Manns und Künstlers.

 

Die Architektin
Die griechische Architektin Sofia Dona hat den Raum für die Aufführungen der Musik und der Videoinstallationen gestaltet. Sie musste eine Balance finden zwischen Poesie und Pragmatismus, zwischen Vision und Diplomatie. Die Anforderungen sind komplex: Wie gestaltet man eine ausgedehnte Videoausstellung inmitten einer Konzertsituation? Wie situiert man zwölf räumlich sich völlig unterscheidende Konzertstücke in einem einheitlichen Raum?

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